Seit 50 Jahren mitten im Leben - 50 Jahre engagierte Hilfe für Familien in Not

Evangelisches Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen feiert Jubiläum in Hannover

Zum Festakt am 9. März 2010 kamen mehr als 200 Gäste aus ganz Niedersachsen in die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover . Festredner Ministerpräsident Christian Wulff lobte die Arbeit des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes als "unverzichtbar" für das Land Niedersachsen.

"Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit". Mit diesen Worten des Paulus aus dem Timotheus Brief, der auch der Jubiläumsfestschrift voransteht, begrüßte die Vorsitzende des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes Niedersachsen, Pastorin Monika Stallmann, die Besucher des Festgottesdienstes. "Uns ist wichtig", sagte die Vorsitzende, "dass Familien in Not sagen können: Dorfhelferin, gut, dass du da bist!" Man sei stolz und dankbar, dieses 50-jährige Jubiläum feiern zu können. Grundlage der Arbeit des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes sei die Verankerung in der Evangelischen Kirche. Dass die Hilfe des Werkes auch heute noch benötigt werde, zeige sich in aktuellen Zahlen. Heute sind Dorfhelferinnen nicht nur landwirtschaftlichen und ländlichen Haushalten tätig, sondern zunehmend auch in städtische Familienhaushalten.

Auch Festprediger Prof. Dr. Friedrich Weber, Vorsitzender des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und Landesbischof von Braunschweig, stellte das Paulus-Wort in den Mittelpunkt und beschrieb damit das Wesen der Dorfhelferinneneinsätze. Kraft brauche man, um an der richtigen Stelle zupacken zu können, Kraft alleine genüge jedoch nicht, dazu brauche es auch Liebe. Da die Liebe manchmal das Maß vergesse, brauche es die Besonnenheit. "Möge dieser Geist ihre Arbeit segnen", wünschte Weber dem Evangelischen Dorfhelferinnenwerk zum Jubiläum.

"Das Evangelische Dorfhelferinnenwerk gehört zu denjenigen Einrichtungen in Niedersachsen, die unverzichtbar sind", unterstrich Ministerpräsident Christian Wulff in seiner Festansprache. Dorfhelferin, das sei ein Beruf, in dem man zugleich Hauswirtschafterin, Erzieherin, Sozialtherapeutin und Managerin eines Kleinbetriebes sein müsse. "Dorfhelferin" - das sei für ihn ein Qualitätsbegriff, sagte Wulff. Dorfhelferinnen müssten sich nicht nur sofort in einem fremden Haushalt zurecht finden, sondern auch die Fähigkeit zur Empathie mitbringen: "Mitgefühl zu haben, das ist eine Eigenschaft, die sonst bei den Menschen zurückgeht", meinte Wulff in Anerkennung der Leistung der Dorfhelferinnen. "Wir sind auf Sie als Bündnispartner angewiesen", schloss der Ministerpräsident seine Festrede, "die Geschichte des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes ist eine Erfolgsgeschichte. Ich bin als Ministerpräsident stolz auf Sie!"

Die Kollekte des Festgottesdienstes ging an den Notfall-Fonds des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes. Aus diesem Fonds werden Einsätze finanziert, die nicht durch die Sozialversicherungsträger oder andere Kostenträger bezahlt werden, der Leistungsanspruch gegenüber der gesetzlichen Krankenkasse erlischt etwa nach dem Tod einer Familienmutter.

Träger und Partner
Vertreter der Trägerinstitutionen und der Partnerverbände des Evangelischen Dorfhelferinnenwerkes überbrachten als Ehrengäste des Festaktes oder in Grußworten in der Festschrift ihre Glückwünsche. Darunter die ehemalige Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Dr. Margot Käßmann, der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Oldenburg, Jan Janssen, der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen, Arendt Meyer zu Wehdel (Präsident) und Edda Albers von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Hartmut Andrä (Geschäftsführer) und Hans-Georg Seibert (stv. Geschäftsführer) von den Landwirtschaftlichen Sozialversicherungen Niedersachsen-Bremen, Werner Hilse (Präsident), Helmut Meyer (Vizepräsident) und Heinz Möller (Sozialreferent) vom Landvolk Niedersachsen, Brigitte Scherb (Vorsitzende) und Maria Vogel (Geschäftsführerin) vom Niedersächsischen Landfrauenverband Hannover, die Vorsitzende des Landfrauenverbandes Weser-Ems, Agnes Witschen, und Cornelia Könneker, Vorsitzende des Landesfrauenrats Niedersachsen.

Kurzinformation Evangelisches Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen
Am 9. März 1960 wurde das Evangelische Dorfhelferinnenwerk Niedersachsen e.V. gegründet. Es ist eine diakonische Einrichtung in Trägerschaft der evangelischen Kirchen Niedersachsens. Dorfhelferinnen betreuen Familien in Notsituationen, wenn die haushaltsführende Person wegen Krankheit, Unfall, Kur, Schwangerschaft und Entbindung ausfällt. Für einige Tage bis zu mehreren Wochen führen sie den Haushalt professionell und angepasst an die individuellen Gewohnheiten der jeweiligen Familien. Was ursprünglich als Haushaltshilfe überwiegend für Familien im ländlichen Raum konzipiert war, wird inzwischen auch im städtischen Umfeld und zunehmend von Ein-Eltern-Familien in Anspruch genommen. In Niedersachsen sind flächendeckend rund 160 Dorfhelferinnen in 37 Stationen im Einsatz. Sie haben im Evangelischen Dorfhelferinnenseminar in Loccum einen qualifizierten Abschluss für diesen Beruf erworben. Die Finanzierung der Dorfhelferinneneinsätze übernehmen Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Rentenversicherungsträger. Ein neues Aufgabenfeld für Dorfhelferinnen sind Einsätze in besonders betreuungsbedürftigen Familien in enger Zusammenarbeit mit den Jugendämtern.

Autorin: Ines Goetsch